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17. Juni 2007

Geplanter Umstieg von Windows XP auf Ubuntu-Linux

von Patrick um 23:32 Uhr in Lesen
Das Ubuntu-Logo

In den letzten Tagen habe ich mich entschieden, zusätzlich zu meinem bisher ausschließlich genutzten Windows XP die aktuelle Ubuntu Distribution 7.04 “Feisty Fawn” als Betriebssystem aufzusetzen und mich somit erstmals ernsthaft mit Linux auseinander zu setzen. Bei Gefallen werde ich versuchen, weitestgehend auf Linux umzusteigen.

Ein Teil der Leser mag mit dieser Aussage möglicherweise gar nichts anfangen können, daher möchte ich das ganze noch einmal etwas weiter ausführen und auch erklären, warum ich das für so interessant halte, dass ich es hier der Menschheit kund tue:

Microsoft Windows ist für PCs zweifellos das am häufigsten verwendete Betriebssystem. Daneben existieren, was viele Menschen möglicherweise gar nicht wissen, auch Alternativen, die aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt, was die Verbreitung bei Heimanwendern angeht, (noch) eine eher untergeordnete Rolle spielen. Im wesentlichen stammen alle diese Betriebssysteme aus der großen UNIX-Familie, deren meisten Abkömmlinge für Privatpersonen eher eingeschränkt interessant sind. Schaue ich mir zum Beispiel in meiner Server-Statistik die Betriebssysteme der Besucher dieser Website in den letzten Monaten an, beschränkt sich die Auswahl nach Windows und einem etwa zehnprozentigem Anteil an MacOS auf die — was die Verbreitung angeht — doch eher unbedeutenden UNIX-Abkömmlinge GNU, FreeBSD oder Solaris. Und eben Linux (wenn auch im sehr geringen Umfang).

Was ist Linux nun? Ich darf da einmal die Wikipedia zitieren:

Linux [...] ist ein freies und Multiplattform-Mehrbenutzer-Betriebssystem für Computer, das Unix ähnlich ist. [...] Das aus verschiedenen Teilen bestehende Betriebssystem wird von Softwareentwicklern auf der ganzen Welt weiterentwickelt, die an den verschiedenen Projekten mitarbeiten. Daran sind sowohl Unternehmen wie auch Non-Profit-Organisationen und Einzelpersonen beteiligt, die dies als Hobby betreiben. Im praktischen Einsatz werden meist so genannte Linux-Distributionen genutzt, in denen verschiedene Software zu einem fertigen Paket zusammengestellt wird. Es gibt eine Vielzahl von Linux-Distributionen, aber stets nur eine Version des aktuellen Kernels. Jede Distribution enthält somit Linux bzw. den Linux-Kernel. Allerdings passen viele Distributoren diesen Kernel mehr oder weniger für ihre Zwecke an. Die Einsatzbereiche von Linux sind vielfältig und umfassen unter anderem die Nutzung auf Desktop-Rechnern, Servern, Mobiltelefonen, Routern, Multimedia-Endgeräten und Supercomputern. Dabei variiert die Verbreitung von Linux in den einzelnen Bereichen drastisch. So ist Linux im Server-Markt eine feste Größe, während es auf dem Desktop bisher nur eine geringe Rolle spielt.

Tux — Der Linux-Pinguin
Tux — Der Linux-Pinguin
© Larry Ewing, Simon Budig
& Anja Gerwinski

Tux, den Linux-Pinguin hat man vielleicht schon mal gesehen, aber was soll Linux jetzt als Nischen-Betriebssystem für Vorteile bringen? Einige Vorteile ergeben sich für mich bereits aus der obigen Definition:

Es ist frei

Das bedeutet zum einen, dass es (den Anwender) keine Anschaffungskosten oder Lizenzgebühren kostet und dass man es ausprobieren und die Installation bei Bedarf ggf. einfach wieder entfernen kann, sollte man feststellen, dass das System für einen persönlich doch nicht das hält, was man sich von ihm versprochen hat. Zum anderen ist man nicht von einem einzigen Unternehmen (also im wesentlichen Microsoft oder Apple) abhängig, das sein Betriebssystem zwar ebenfalls laufend weiter entwickelt, diese Entwicklung aber nicht immer zwangsläufig zum besten der Nutzer ist, wie es beispielsweise die aktuellen Entwicklungen bei Microsoft Windows Vista im Falle des Digitales Rechtemanagements (DRM) zeigen, welches in dieser Form keinem Anwender wirklich nutzt, dafür aber einseitig die Interessen der Film- und Musikindustrie bedient.

Darüber hinaus ist auch der Quellcode “frei”, in dem Sinne, dass er von jedem offen einsehbar ist und von jedem Nutzer (im Rahmen der technischen Möglichkeiten) individuell angepasst werden könnte. Dadurch werden die einzelnen Plattformen und Distributionen ständig weiterentwickelt, Lücken im System können relativ schnell geschlossen werden. Viele Augen sehen doch meist mehr. Dieses Konzept funktioniert auch bei anderer Software sehr gut, man denke z.B. nur einmal an die OpenOffice-Suite oder eingeschränkt auch an den äußerst erfolgreichen Mozilla Firefox. Das führt natürlich direkt zu:

Es wird von einer internationalen Gemeinschaft getragen und weiterentwickelt

Da kommerzielle Interessen und Erwägungen bei Linux eher hintenan stehen, kann sich die Entwicklergemeinde relativ entspannt auf das wesentliche konzentrieren. Im Falle von Linux dürften das die große Stabilität und Sicherheit des Betriebssystems sein. Dazu kommt ein sehr großer Pool an freier (OpenSource-, also ebenfalls quelloffenen) Software, die ebenfalls von der Gemeinschaft bereitgestellt und entwickelt wird. Dabei wird im Allgemeinen auch versucht, Alternativen zu proprietärer Software zu schaffen, also Software, deren Quellcode geheim gehalten wird und/ oder die durch restriktive Lizenzen oder Patente eingeschränkt wird. Innerhalb dieser internationalen Gemeinschaft deckt sich natürlich ein großer Teil der Entwickler auch mit der Gruppe der Anwender; natürlich hat aber nicht jeder Anwender automatisch auch die Fähigkeiten, das Interesse oder die Zeit, sich umfangreich in der “Community” zu engagieren. Insgesamt ist aber zu beobachten, dass die Solidarität und Hilfsbereitschaft innerhalb dieser Gemeinschaft groß ist, was unter anderem auch Neulingen den Einstieg erleichtert.

Darüber hinaus ist auch der Sicherheitsaspekt nicht zu vernachlässigen:

Aufgrund der umfangreichen Entwicklergemeinde werden potenzielle Sicherheitslücken oft relativ schnell entdeckt und können zeitnah geschlossen werden. Darüber hinaus gilt Linux als sehr robustes System, dass sich nur schwer aus dem Takt bringen lässt, was die meisten Anwender von Windows wohl nicht von dem von ihnen genutzten System behaupten würden. Zudem birgt auch der Minderheitenstatus von Linux sicherheitstechnische Vorteile: Für potenzielle Autoren von Viren oder anderer Schadsoftware lohnt sich eine Entwicklung für wenig verbreitete Betriebssysteme meist nicht, da man bei gleichem Aufwand viel mehr Nutzer der weit verbreiteten Systeme treffen könnte. Dazu kommt, dass bei UNIX und allen Abkömmlingen ein auf dem Computer angemeldeter Benutzer traditionell im Allgemeinen mit weit weniger Rechten arbeitet, als dies bei Windows zum Beispiel der Fall ist. Um tiefer greifende Änderungen vorzunehmen, ist bei Linux meist die Eingabe eines Passwortes erforderlich. Das mag sich lästig anhören, kann es möglicherweise im Einzelfall auch sein, es erhöht aber auch definitiv die Sicherheit enorm, da zum Beispiel auch nicht einfach ein Programm im Hintergrund ohne weiteres Dinge ändern kann, zu denen es nicht ausdrücklich die Berechtigung hat.

Ich habe versucht — einigermaßen umfangreich und hoffentlich verständlich — darzulegen, warum ich mich entschlossen habe, von Windows zu Linux zu wechseln. Linux gewinnt in letzter Zeit — wenn mich meine Wahrnehmung nicht täuscht — zunehmend an Bedeutung und stellt sicherlich eine ernst zu nehmende Alternative zu den gängigen Betriebssystemen dar. Bisher habe ich Linux (und da speziell Ubuntu) nur als LiveCD getestet, ohne es fest installiert zu haben. Daher kann ich noch nicht 100%ig sagen, ob ich dabei bleiben werde und ob ich tatsächlich fast alle Anwendungen auf Linux umstellen kann. Aber ich bin ernsthaft gewillt, es zu versuchen. Und werde weiter berichten. Vielleicht gibt es ja noch andere Interessierte, die dadurch motiviert werden, selbst auch einen Umstieg zu versuchen.

Und warum ich mich ausgerechnet für die Ubuntu-Distribution entschieden habe? Ubuntu ist augenscheinlich zunehmend beliebt und gilt — gerade für Windows-Umsteiger — als einfachste und komfortabelste Distribution. Durch die LiveCD konnte ich Ubuntu testen, ohne mein bestehendes System auch nur anzutasten. CD herunterladen, brennen, einlegen und durchstarten. Was ich getestet habe, hat mir gut gefallen und ich bin guten Mutes, viel Spaß mit dem neuen Betriebssystem zu haben. Ebenfalls positiv aufgefallen ist mir die gute Dokumentation, sowohl auf den offiziellen englischen Seiten als auch auf den Seiten der deutschen Nutzergemeinde, mit einer einer offenbar sehr motivierten Gemeinschaft hilfsbereiter Menschen. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt…

Beitrag verfasst:am 17. Juni 2007 um 23:32 Uhr von Patrick
Kategorie(n):Lesen
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