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30. April 2007

Morita Doji (森田童子) ‹ Musik aus Japan

von Patrick um 01:16 Uhr in Hören, Lesen, Sehen

Morita DojiNachdem ich etwas über Tate Takako geschrieben habe, muss ich natürlich auch über ein anderes gewichtiges Mitbringsel aus Japan, Morita Doji (森田童子) (oder “Morita Douji”, je nach Romanisierung), berichten, die ich bereits in Japan erwähnt hatte. Ihre Musik kenne ich bereits seit längerer Zeit und sie gehört definitiv zu der von mir am meisten geschätzten Musik überhaupt. Ich habe in Japan die Gelegenheit genutzt, vor Ort nach einer CD von Morita Doji zu suchen und habe nicht locker gelassen, bis ich schließlich in Osaka ein Album in Form einer “Best Of”-CD in meinen Händen hielt.

Und wer ist das nun? Morita Doji ist eine etwas obskure Psych-Folk- Singer/Songwriterin, die in den 1970er- und beginnenden 80er-Jahren in Japan aktiv war und eine gewisse Popularität genoss. Heutzutage ist ihre Musik weitgehend in Vergessenheit geraten, aber für ihre (vor allem für ihre Vinyl-) Alben werden Sammlerpreise gezahlt. Da es meines Wissens keinerlei Informationen über sie auf Deutsch gibt und auch nur wenige auf Englisch, hier noch die spärlichen Informationen, die ich über sie habe:

Morita Doji wurde am 15. Januar 1952 in Tokyo geboren. Nach einer wohl schwierigen Schulzeit begann sie ihre musikalische Karriere im Alter von 20 Jahren und veröffentlichte 1975 ihr durch den Tod (möglicherweise Selbstmord) eines Freundes inspiriertes Debütalbum “Good Bye グットバイ”. Selbstmord wie auch Drogen sollten wohl auch in den kommenden Jahren wiederkehrende Motive in ihrem Werk sein. Und tatsächlich ist Morita Dojis Musik erfüllt von einer immer präsenten Traurigkeit und Schwermut, die sich auch in den Videos findet, die ich später in diesem Beitrag vorstellen möchte.

1983 spielte sie, nachdem sie fünf weitere Studioalben und ein Livealbum veröffentlicht hatte, ihr letztes Konzert in Tokyo, nach dem sie sich musikalisch zur Ruhe setzte. Über ihr weiteres Leben habe ich keinerlei Informationen, zumindest ist davon aus zu gehen, dass sie noch lebt. Ihren größten Erfolg hatte Morita Doji übrigens, nachdem sie sich schon längst zur Ruhe gesetzt hatte: Ihr Song ぼくたちの失敗 (Bokutachi no Shippai, “My Failure”) wurde 1993 als Titelsong des beliebten TV-Dramas 高校教師 (Koukou Kyoushi, “High School Teacher”) verwendet, der sich daraufhin im großen Stil verkaufte und auch das Interesse für ihre andere Musik wieder weckte.

Sollte euch einmal Musik von ihr in die Hände fallen, wären meine Anspieltipps (respektive einige meiner Lieblingssongs) まぶしい夏 (Mabushii Natsu, “Dazzling Summer”) vom Album Good Bye グッドバイ, G線上にひとり (G-Senjo Ni Hitori) vom Album ア・ボーイ (”A Boy”), einer ihrer größten Hits, und das Lied des ersten Videos, ぼくたちの失敗 (Bokutachi no Shippai, “My Failure”), ihr größter Hit.

Jetzt aber genug der Vorrede, hier ist die Musik, zunächst der “Riesenhit” ぼくたちの失敗, dessen Übersetzung “My Failure”, also “Mein Versagen” (wie all ihre Musik) nicht gerade nach rheinischem Frohsinn klingt:

森田童子 — ぼくたちの失敗

Das zweite Lied, das ich gefunden habe, ist 蒼き夜は (Aoki Yoru Ha) vom Morita Dojis drittem Album ア・ボーイ (A Boy). Es ist sicherlich kein offizielles Video, aber irgendjemand hat sich die Mühe (?) gemacht und ein schönes, stimmiges Anime-Video zusammengeschnitten (?), vielleicht wurde es auch von einem Künstler speziell zu diesem Song erstellt. Sehr schön jedenfalls:

[Update 6. März 2008]: Das Video wurde leider gelöscht, daher hier ein anderes, ebenfalls sehr schönes Video: 蒸留反応 (ich verstehe nur Yuki = Schnee):

森田童子 — 蒸留反応

Und, weil es so schön ist (und ich beim Suchen ein weiteres Video gefunden habe), noch ein Ausschnitt (oder ein Trailer) eines japanischen Dramas mit der Musik (dem Song たとえば ぼくが死んだら von Morita Doji:

森田童子 — たとえば ぼくが死んだら

Mal sehen, wie lange die online bleiben…

P.S.: Sollte sich die ein oder andere Übersetzung als nicht 100%ig akkurat herausstellen, sollte mir das hoffentlich verziehen sein. Aufgrund der wenigen nicht-japanischen Quellen und meiner mangelnden Japanischkenntnisse war ich auf Online-Übersetzungssoftware angewiesen, die mich vielleicht nicht immer 100 Prozent korrekt beraten hat. Ich hoffe, die Musik gefällt trotzdem… :)

Beitrag verfasst:am 30. April 2007 um 01:16 Uhr von Patrick
Kategorie(n):Hören, Lesen, Sehen
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5 Kommentare »

  1. Zuerst möchte ich mich dafür bedanken, dass du (ô.o darf man duzen?) hier wirklich tolle Sachen online stellst ^^ Wiedermal eine tolle Musikauswahl.
    Hab mir von dem ersten Lied gleich die Übersetzung gesucht (hab leider die von dem zweiten Lied nicht gefunden =( )
    Mir persönlich gefällt Aoki Yoru Ha besser. Wäre/ist für mich der “Riesenhit” (naja, kenn ja die anderen Lieder von ihr nicht und vielleicht ist der Text von Bokutachi no Shippai besser ^^, hab ja die Übersetzung von zweiten nicht gefunden)
    Jedenfalls, danke (wiedermal) :D

    Kommentar von Schati um 21:33 (30.04.2007)
    1
  2. Klar darfst du mich duzen, ich duze dich ja schließlich auch… :)

    Und: Bitte, bitte… :) Es freut mich ja, dass es außer mir noch jemandem gefällt!

    Etwas mehr hörenswerte Musik aus Japan habe ich noch mitgebracht. Und irgendwie auch Gefallen an dieser Videogeschichte gefunden. Außerdem fand ich beim Stöbern noch eine ganze Menge, dass ich über die Zeit noch gerne vorstellen möchte. Aus Korea hätte ich zum Beispiel noch eine ganze Menge guter Musik und natürlich auch noch einige nicht-asiatische Künstler… Vielleicht ist da ja auch noch was für dich dabei… :)

    Ansonsten ist mein persönlicher Favorit “G線上にひとり” (G-Senjo Ni Hitori), aber eigentlich ist fast durchgängig alles toll. Habe aber leider auch noch keine Übersetzung auftreiben können…

    Kommentar von patrick um 00:31 (01.05.2007)
    2
  3. Dann würd ich sagen: Ich freu mich auf deine nächsten Vorstellungen :D

    Kommentar von Schati um 11:47 (01.05.2007)
    3
  4. hallo,

    wenn dir morita doji gefällt, solltest du dir mal das album von slap happy humphrey anhören: alles coverversionen von doji-songs, in die hin und wieder eine brachiale e-gitarre reinbrezelt. etwas speziell, aber sehr schön.
    schönen gruß,
    thorsten

    Kommentar von thorsten krämer um 14:01 (01.06.2007)
    4
  5. Hallo Thorsten,

    ja, stimmt, das Slap Happy Humphrey-Album ist auch sehr schön und ein sehr guter Hinweis. Eigentlich wollte ich es noch in den Beitrag aufgenommen haben, hatte es dann aber doch vergessen. Ich habe einmal irgendwo gelesen, dass es wegen urheberrechtlichen Streitigkeiten vom Markt genommen werde musste, gebraucht ist es aber zumindest bei Amazon noch zu bekommen.

    Außerdem fällt mir bei der Gelegenheit ein, dass dein Buch “Neue Musik aus Japan” schon ziemlich lange auf meiner “Zu Kaufen”- und damit natürlich auch auf der “Zu Lesen”-Liste steht… :)

    Kommentar von patrick um 21:12 (01.06.2007)
    5

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