Thailand II: Songkran in Nong Khai
von Patrick um 23:43 Uhr in Lesen
Der Quelltext für diesen Beitrag wurde am 15. April 2005 verfasst.
Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass ich, was die Hitze angeht, nicht zu empfindlich bin: Erstens klagen die Thais hier selbst über den dieses Jahr extrem heißen Sommer und zum anderen war der Tag, an dem ich zuletzt schrieb, tatsächlich mit 45 Grad im Schatten der heißeste Tag des Jahres bisher. Überdies noch war — laut Thai-Fernsehen — Udon Thani (die nächstgrößere Stadt) an diesem Tag der heißeste Fleck der ganzen Erde (an dem Temperatur gemessen wurde). Sechs der zehn heißesten Städte der Erde liegen zurzeit in Thailand. Im Moment geht’s aber. Wir hatten etwas Sturm und Regen und dabei hat es sich innerhalb einer Stunde um etwa 20 Grad abgekühlt. Das war dann auch wieder ein Schock. Den letzten Morgen war mir sogar fast kalt… Man gewöhnt sich doch recht schnell an die Temperaturen.
Die letzten Tage hatte ich wirklich den Spaß meines Lebens: Hier war (bzw. ist) ja Songkran, das thailändische Neujahr nach dem Mondkalender. Am Dienstag begann es, dass man auf der Straße nass gemacht wurde. Am Anfang trauten sich die Kinder und auch Erwachsene noch nicht so wirklich an mich heran und kamen nur etwas schüchtern zu mir und übergossen meine Hände mit etwas Wasser. Später kamen sie dann dafür zu fünft von allen Seiten mit ganzen Eimern. Bei der Hitze konnte mir das aber nur recht sein und alle hatten ihren Spaß dabei.
Am Mittwoch dann war der Höhepunkt: Morgens um 9:09 Uhr wurde im Haupttempel von Nong Khai nach einer buddhistischen Zeremonie der wichtigste Buddha (mit einem Kopf aus purem Gold) aus dem Tempel getragen und zusammen mit zwei Wächterbuddhas dreimal um den Tempel getragen. Dann ging es in einer Prozession durch die ganze Stadt. Alle Leute (und es waren echt viele) hatten Eimer und ganze Fässer voller Wasser mitgebracht und es war wirklich die gigantischste Wasserschlacht, die ich je gesehen habe!
Der eigentliches Sinn dieses Wasserfestes ist, sich symbolisch von den Sorgen und schlechten Dingen des alten Jahres reinzuwaschen. Die Buddhafiguren in allen Tempeln und Schreinen und alle Menschen werden in Unmengen Wasser gebadet und bespritzt; entweder mit reinem Wasser, oft aber auch mit Jasmin- oder Rosenwasser mit Blütenblättern und so. Auch wird man teilweise mit Mehl und/oder Talkumpuder bestäubt, was eine ziemliche Schweinerei ist…
Als der Buddha dann aus dem Tempel getragen wurde, ging es so richtig los: Ein Feuerwehr-Spritzenwagen fing an, den Buddha (und natürlich alle Anwesenden) erst einmal so richtig abzuspritzen und alle Menschen fingen an, Wasser zu werfen und den Buddha zu baden. Und damit natürlich auch alle Umstehenden. Man bekommt immer gleich ganze Eimer und Schüsseln voller Wasser über die Schultern gegossen oder über den Kopf gespritzt und die Kinder laufen mit riesigen Wasser-Pumpguns herum und haben natürlich einen Mordsspaß. Auf den Straßen werden auch alle Autos, Busse, Motorräder oder Tuk-Tuks gnadenlos nass gemacht.
Alle Menschen — uns, dass heißt einige Mut Mee-Bekanntschaften und ich, eingeschlossen — hatten so einen riesigen Spaß. Natürlich war es Sport für die Thais, gerade auch die wenigen anwesenden Farangs (Westler) mal so richtig einzuweichen. Ganz ausgefuchste benutzten sogar — sehr perfide — eisgekühltes Wasser mit ganzen Eiswürfeln drin, das sie besonders gerne direkt in den Kragen gossen. Puh.. Die Kiddies und Jugendlichen fahren den ganzen Tag auf Pickup-Trucks durch die Gegend und werden (sogar heute noch einige Tage später) nicht müde, alles nass zu spritzen, was sich bewegt. Und dazu wird kräftig “Sawat-dii phi mai!” (”Frohes neues Jahr!”) gerufen. Auch einer Art thailändischem Reisschnaps wurde kräftig zugesprochen, zu dem ich auch das ein oder andere Mal am Straßenrand auf einen Schluck eingeladen wurde. Und da die Höflichkeit gebietet, zumindest einmal von den angebotenen Dingen zu kosten, durfte ich feststellen, dass der Schnaps durchaus einige Umdrehungen hatte…
Gestern folgte dann eine große Blumenparade mit vielen blumengeschmückten Wagen und traditionell zurecht gemachten Frauen darauf. Dazu jede Menge Isan-Musik (traditionelle Musik aus der hiesigen Isan-Region) und Tanz. Eine Gruppe der obligatorischen Ladyboys durfte natürlich auch nicht fehlen. Transvestiten und Transgender sind ja hier in Thailand absolut angesehen und gut integriert und werden von ihren Familien unterstützt. Bei manchen würde man(n) tatsächlich auf den ersten Blick nie auf die Idee kommen, dass diese durchaus ansehnliche Frau eigentlich ein Mann ist. Bei anderen fällt es dann wieder nicht sehr schwer. Die Wahl zur Miss Ladyboy Songkran habe ich leider verpasst.
Das Guesthouse, in dem ich jetzt die letzten fünf Tage verbracht habe und noch bis heute Abend bin ist wirklich ziemlich toll, quasi eine Art Kommune. Ich habe mich ziemlich schnell mit den ganzen Long-Time-Residents angefreundet, von denen einige hier in Nong Khai Englisch als Volunteer Teachers unterrichten, einige aber auch nur “abhängen”. Eine lustige Mischung: Menschen, die hier die meiste Zeit leben und nichts tun, Hippies (“Kommst du mit zur Parade?” “Ey du, darauf war ich jetzt aber voll nicht vorbereitet.”), ein schwuler buddhistischer Mönch aus Indien, der aber eigentlich Franzose ist, die Besitzer (Julian, ein Engländer und Pao, seine thailändische Frau, beide supernett) und Angestellten und viele andere nette und lustige Menschen. Daher bin ich auch viel länger hier geblieben als ich ursprünglich geplant hatte. Es hat so richtig gut getan, etwas mit den Thais zu feiern (man wird auch sehr herzlich integriert und die Leute freuen sich sehr, wenn man sich selbst ein wenig für die Feierlichkeiten begeistert) und einfach nur relaxen, lange schlafen, lesen, lecker essen (!) und quatschen. Sehr angenehm… Ein weitere Grund ist natürlich, dass sich in der Zeit von Songkran nur sehr schlecht reisen lässt.
Heute Abend nehme ich den Nachtbus auf eine zwölfstündige Fahrt nach Chiang Mai im Nordwesten Thailands. Ich habe zufällig ein VIP-Ticket geschenkt bekommen und fahre somit kostenlos, was natürlich ganz praktisch ist… Eigentlich schade von hier weg zu gehen, aber ich freue mich auch wieder auf neue Eindrücke.
| Beitrag verfasst: | am 19. Februar 2007 um 23:43 Uhr von Patrick |
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