Thailand I: Von Ayutthaya nach Nong Khai
von Patrick um 14:25 Uhr in Lesen
Der Quelltext für diesen Beitrag wurde am 11. April 2005 verfasst.
Hallo zusammen mit einer ersten Nachricht aus Thailand!. Sonnig ist es hier. Heute für meinen Bedarf etwas zu sonnig. Aber bei 40 Grad im Schatten darf es mir wohl etwas zu heiß sein, oder? Ich bin natürlich einer der wenigen Bekloppten, die hier auch zur vollen Mittagshitze spazieren gehen. Es paar Einheimische sind durchaus auch unterwegs, aber offensichtlich schwitzen die nicht. Ich habe natürlich ein T-Shirt an, auf dem man meine momentane Befindlichkeit kartographisch ablesen kann. Nach spätestens fünf Minuten in der Sonne fühlt man sich schon, wie gerade aus der Dusche kommend, nur weniger erfrischt. Gegen die Hitze hier oben war Mexiko echt harmlos…
Momentan bin ich gerade in Nong Khai (หนองคาย) in Nordost-Thailand. Hier ist eigentlich ziemliche Provinz an der Grenze zu Laos. Ich bin in dem wirklich schönen Mut Mee-Guesthouse direkt am Mekong und mit Blick auf Laos. Es wird von Julian, einem Engländer und seiner thailändischen Frau Pao geleitet, die beide sehr nett sind. Nett sind aber alle Leute hier in Thailand, das ist wirklich phantastisch. Kein Vergleich zum oft miesepetrigen Deutschland. Ich wage mal zu behaupten, dass man sich in Thailand einfach nicht unwohl fühlen kann. Alle Menschen sind extrem hilfsbereit und ich habe nicht das Gefühl, hier groß verloren gehen zu können. Ich bin zwar einer von ganz wenigen Ausländern in dieser Gegend, aber man kommt auch ohne größere Thai-Kenntnisse gut herum. Ich bin sowieso völlig beeindruckt. Selbst die ungefähr 100jährige Omi, die dieses vermutlich langsamste Internet-Café der Welt leitet, spricht hervorragendes Englisch… :)
Probleme mit dem Jet-Lag habe ich zum Glück keine. Ich habe den ersten Tag weitgehend durchgemacht, was ganz gut funktioniert hat. Ich bin heute in Nong Khai mit dem Nachtzug von Ayuttaya (พระนครศรีอยุธยา) angekommen, der historisch ersten Hauptstadt von Thailand (Siam) und meiner ersten Station. Nach meiner Ankunft am Flughafen in Bangkok ging ich direkt vom Terminal aufs Bahnhofsgleis. Dort gab’s einen ersten kurzen Kulturschock, als bereits um 7 Uhr morgens diverse Grillstände Rauch aufsteigen ließen und Tintenfische zum Verkauf angeboten wurden. Ich erstand ein Zugticket, sprang in den bereits abfahrbereiten Zug und fuhr mit großen Augen in der dritten Klasse eine Stunde nach Ayutthaya. Alleine die Zugfahrt war schon ein Erlebnis: Der Zug selbst war proppenvoll, es war heiß und schwül und ich stand mit meinem Rucksack als einziger Westler (”Farang“) weit und breit etwas ungünstig im Gang, während sich im 30 Sekundentakt Händler an mir vorbeidrückten, die Tintenfisch am Stiel, abgepackte Lunchpakete mit mir nicht näher bekannten Ingredenzien, Wasser und anderes verkauften. Ich fand’s super. Noch keine Stunde in Thailand und schon im prallen Leben. In Ayutthaya angekommen habe ich mir ganz viele von den phantastischen Tempeln (Wats) angeschaut. Sehr beeindruckend! Dort war es zwar auch heiß, aber kein Vergleich zu hier…
Von Ayutthaya ging’s dann gestern Nacht mit dem Zug im Schlafwagen für umgerechnet 12 Euro die 650 km hoch nach Nong Khai. Hier ist ziemliche Provinz und einer der ärmsten Teile des Landes. Hier kommen nicht viele Touristen hin und man erlebt Thailand wirklich noch relativ unverfälscht. Der Kulturschock war gar nicht so groß wie ich dachte; eigentlich warte ich immer noch darauf. Was mich eigentlich sehr erstaunt, denn hier im Land bin ich ja wirklich Analphabet. Ich kann hier praktisch nichts lesen, an Bahnhöfen dauert eine Durchsage ungefähr gefühlte 10 Minuten, wobei ich nicht mal den Namen der Stadt heraushören kann. Aber selbst da kam gestern der Bahnhofsvorsteher zu mir und fragte, wo ich denn hin möchte, um mir dann im richtigen Moment Bescheid zu sagen. Super nett!
Die Zugfahrt selbst war auch recht abenteuerlich: Mit 39 anderen Männern in einem Schlafwagen. Die Betten waren zwar sehr bequem und blitzsauber, aber der Zug hat so gewackelt, geächzt und andere Geräusche von sich gegeben, die gerne auch mal nach Achsenbruch klangen (und sich auch so anfühlten), dass ich von den 10 Stunden im Zug etwa drei geschlafen habe. Naja, irgendwann gewöhnt man sich an alles. Ein Wunder, dass ich kein Schleudertrauma habe…:)
In der momentanen Mittagshitze kann man eh nichts machen, insofern ist es ganz nett, im Internet Café vor einem Ventilator zu sitzen. Morgen geht’s hier richtig rund, denn dann ist Songkran, das wichtigste Fest in Thailand. Neujahr quasi. Aber hier ist ja auch gerade der 11. April 2549… :) Morgen gibt’s dann eine Prozession am Tempel und ab Mittags dann kollektive Wasserschlacht, alle gegen alle. Das wird bestimmt lustig… Ich habe extra schon jede Menge Plastiktüten eingepackt, damit meine ganze Technik heil wieder nach Hause kommt.
Hatte ich schon erwähnt, das ich Thailand super finde? :) Total niedlich sind auch die Kinder: Man wird hier nirgends bedrängt oder angebettelt, wie ich es öfters z.B. von Indien gehört habe. Alle Leute sind extrem zuvorkommend und höflich. Man wird überall freundlich angelächelt und läuft irgendwie automatisch fast immer mit einem Dauergrinsen herum, also gar keine Möglichkeit etwa schlechte Laune zu entwickeln… Die Kinder grüßen ganz oft mit “Hello!” oder “Hee yuu” (was wohl das thailändische Äquivalent ist). Total putzig. Aber auch Teenies, die hier überall auf Motorrädern herum rasen, grüßen im Vorbeifahren auf diese Weise und freuen sich wahnsinnig, wenn man zurück winkt oder nur grinst…
So, jetzt aber mal Schluss für heute. Ich bin gerade allerdings völlig beeindruckt, dass die ungefähr 100jährige Dame hier im Internet Café tatsächlich mit USB-Sticks hantiert und CDs brennt… Irre…
| Beitrag verfasst: | am 10. August 2006 um 14:25 Uhr von Patrick |
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