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8. April 2006

Love Hotel ‹ Korea

von Patrick um 13:51 Uhr in Lesen

Das Hotel, in dem ich mich hier einquartiert habe, ist eine Mischung aus normalem Hotel und einem so genanntem »Love Hotel«. Love Hotels sind hier in Korea (und auch in Japan) Hotels, die man stunden- aber auch nächteweise mieten kann, um sich, nun ja, etwas näher zu kommen. Da man bis zur Heirat in Korea üblicherweise bei der Familie lebt, und so die Gelegenheiten für ungestörte Zweisamkeit im Allgemeinen fehlen, gibt es Unmengen an solchen Love Hotels in jeder Stadt. Oft sehen sie wie Schlösser aus oder wie andere phantasievolle (kitschige) Dinge.

Das Hotel, in dem ich momentan wohne, sieht von außen ziemlich normal aus, hat es aber innen in sich: Zunächst einmal ist es vom Standard das beste Hotel, das ich bisher in Korea bezogen habe. Sauber, gepflegt und top eingerichtet. Und das für 30.000 Won (momentan ca. 25 Euro) pro Nacht (ich konnte für drei Nächte noch einen kleinen Rabatt aushandeln). Andere Hotels zum gleichen Preis waren bisher eher etwas schäbig.

Die Einrichtung ist sehr lustig: Rundes Bett mit eingebautem Spiegel, 1,50 m Spiegel vor dem Bett. Eigener Wasserspender, kostenloser Kaffee und Tee. Riesen-Fernseher mit 50+ Programmen, inklusive koreanischem Porno-Kanal. Sollte das nicht reichen: Videorecorder mit eingelegtem Pornofilm (»Naughty Playful Schoolgirls in Ultra-Miniskirts do it«. Oder so…). Kühlschrank mit kostenlosen »Eros Fiber«-Vitamindrinks. Selbstverständlich Klimaanlage und natürlich — wie praktisch alle koreanischen Innenräume — völlig überheizt (eingestellt auf 28 Grad). Verdunkelte blickdichte Fenster. Bett selbstverständlich beheizbar. Mehrere Kleenex-Boxen verteilt im Zimmer. Lotions und Deos. Fenster zum Bad mit aufgedruckter Blumenwiese. Sitzgruppe.

Eigentliches Highlight ist aber das Bad und dort die Toilette. Diese hat nämlich ein Bedienungspaneel mit etwa 15 Knöpfen in koreanischer Beschriftung. Insofern habe ich bei einem ersten Testlauf auf der Suche nach der Spülung erst einmal gepflegt die automatische »Körperreinigung« aktiviert (Wasser kommt von unten), aber zum Glück gibt es ja auch die Heißluft zum trocknen. Auf Wunsch spielt die Toilette übrigens auch Vivaldi (etwas zu laut für meinen Geschmack allerdings, das hört man bestimmt noch zwei Zimmer weiter). Für die anderen Funktionen habe ich ja noch zwei Tage. Ach ja, der Sitz ist selbstredend wohltemperiert beheizt, aber das habt ihr euch bestimmt schon gedacht.

Der Flur des Hotels hat mich auch nachdrücklich beeindruckt: Als ich aus dem Zimmer kam, war es schon dunkel und auf der Decke des Flurs leuchteten auf Glas gedruckte Weltraummotive bei Schwarzlicht. Sehr spacig.

So, und dahin gehe ich jetzt zurück, trinke Wasser bis zum Umfallen und vielleicht einen der Eros Drinks und schaue dabei aber lieber Arirang TV (englischsprachiger koreanischer Sender), MTV, BBC oder einen der üblen 70er Jahre Filme auf einem der anderen 20 Sender. Eine Kimchi-Dokumentation habe ich mir heute schon angesehen (Tenor: »Kimchi heilt alles«). Und mein Kimchi habe ich heute übrigens mit Genuss komplett aufgegessen, so wie es aussieht, werden wir doch noch Freunde… :)

Beitrag verfasst:am 8. April 2006 um 13:51 Uhr von Patrick
Kategorie(n):Lesen
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