Der »Soundtrack meines Lebens«
von Patrick um 22:24 Uhr in Hören, Lesen, Recycling
Den folgenden Beitrag hatte ich vor über einem Jahr mal auf Neon-Online veröffentlicht und habe ihn heute zufällig wiedergefunden. Bevor er bei Neon alleine herumdümpelt, möchte ich ihm lieber an dieser Stelle ein neues Leben schenken.
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Joe Dassin: Et Si Tu N’Existais Pas
Vermutlich eine meiner frühesten kindlichen Erinnerungen, was Musik angeht. Meine Eltern hörten früher häufig französische Chansons und tun das auch heute noch gelegentlich. Ich konnte zwar noch nicht zusammenhängend reden, aber an dieses Lied erinnere ich mich genau. Ob dies tatsächlich meine früheste musikalische Erinnerung ist, kann ich natürlich nicht sagen. Dieses Lied aber erinnert mich an eine Zeit meines Lebens, in der ich noch sehr, sehr klein war. Mit großen Augen auf dem Auto-Rücksitz meiner Eltern in Südfrankreich, auf einer von Palmen gesäumten Straße am Meer.
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Europe: The Final Countdown
Ich hätte diesen dunklen Punkt meiner Vergangenheit gerne ausgespart, aber ich fürchte, The Final Countdown war tatsächlich meine erste selbst gekaufte Platte. Nach den Märchenplatten und meiner Drei Fragezeichen-Phase, fing ich also endlich an, richtig erwachsen zu werden. Dachte ich damals jedenfalls. Pustekuchen. Trotz alledem habe ich später doch noch einen halbwegs differenzierten Musikgeschmack entwickelt und schließlich war ich damals ja noch nicht mal in der Pubertät. Und überhaupt. Ja, genau…
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Héroes Del Silencio: Entre Dos Tierras
Und dann war sie da, die Pubertät, und ich mittendrin. Erste Liebe, erster Alkohol, Parties galore. Spieleabende, wilde Feiern, Raclette an Sylvester, Cliquenbildung, Flaschendrehen. Später dann Cocktail-Selbermix-Parties mit Kopfschmerz-Garantie. Oh je. Auf keiner Party durfte natürlich Entre Dos Tierras fehlen, zumindest nicht, als ich ungefähr Sechzehn war. Wenn dieses Lied lief, war Hochstimmung und die Tanzfläche im Wohnzimmer garantiert voll. Später dann, gegen Ende des Abends, als das Licht schummerig wurde und immer irgend jemand Simon & Garfunkel auflegte, lagen alle übrig gebliebenen in den diversen Ecken und hingen ihren Teenager-Gedanken nach. Selbst der verzweifelte Versuch des Gastgebers, die Stimmung mit So Lonely von Police doch noch zu heben, endete zumeist im allgemeinen Aufbruch.
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The Smashing Pumpkins: Disarm
Wunderschönes Lied, wunderschönes Video. Und Erinnerungen an eine Zeit, in der Musikfernsehsender tatsächlich noch Musikvideos spielten. Eine Zeit, in der ich regelmäßig Sendungen wie MTV 120 Minutes, Post Modern oder Chillout Zone ansah und mir damit ganze Nächte um die Ohren schlug. Sonic Youth, The Jesus & Mary Chain, Mazzy Star, Miranda Sex Garden, New Model Army, Ministry, Echo & The Bunnymen, PJ Harvey, Suede, Kristin Hersh, My Bloody Valentine, Nick Cave, Slowdive oder etwa Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs, um nur einige Namen zu nennen. Damals hörte ich auch regelmäßig das selige Graffiti auf WDR 1 mit Thomas Elbern, eine Sendung, die meinen Musikgeschmack maßgeblich beeinflusste. Konzerte, Festivals, Mixtapes, Spaß und gute Freunde. Definitiv eine Zeit, die mich sehr geprägt hat und die ich um nichts in der Welt missen möchte.
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The Chameleons: Second Skin
Es gibt Songs, die hört man zum ersten Mal und es trifft einen wie ein Blitz. Second Skin ist für mich ein solcher Song. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wann ich ihn das erste Mal hörte: Ich saß mit guten Freunden, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte, in einer Kneipe und auf einmal hörte ich dieses Lied. Das Mädel an der Theke konnte mir Namen und Interpret leider nicht sagen, da sie nur unbeschriftete Tapes dudelte, und so dauerte es noch einige Zeit, bis ich die zugehörige »Out Of Print«-Platte Script Of The Bridge schließlich meiner Musiksammlung einverleiben konnte. Vor langer Zeit sagte mir einmal jemand, Second Skin passe wie kein zweites Lied zu mir. Leider ist es auch ein trauriges Beispiel dafür, dass man sich seine »Helden von damals« nicht unbedingt zehn bis fünfzehn Jahre nach ihrer Zeit live ansehen sollte. So geschehen vor etwa zwei bis drei Jahren.
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Current 93: In The Heart Of The Wood (And What I Found There)
Der Beginn einer großen Leidenschaft und Musik, die mir wohl immer etwas bedeuten wird. Auch wenn ich aus dem ein oder anderen Grund die aktuelleren Entwicklungen schon lange nicht mehr verfolge, sind mir die alten Platten von Current 93 noch immer äußerst wichtig. Und nicht zuletzt war und ist es die einzige »Band« der Welt, für die ich extra zu einem Konzert nach London geflogen bin. Auf dieser Reise sind sehr schöne und dauerhafte Freundschaften entstanden - und im Auditorium traf ich einen alten Klassenkameraden, den ich seit dem Abitur nicht mehr gesehen hatte. Ein Lied, das stellvertretend für einen ganzen Lebensabschnitt steht und nicht zuletzt auch eine Menge Assoziationen an diverse Irland-Reisen in sich trägt. Auf die »Revolution or Revelation« warte ich allerdings immer noch…
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Sigur Rós: Viðrar Vel Til Loftárása
Als ich Sigur Rós vor einigen Jahren für mich entdeckte, war dies der schleichende Beginn vom Ende meiner Begeisterung für Wave, Gothic, Industrial & Artverwandtem. Auch wenn man es dieser Liste vielleicht nicht unmittelbar ansieht, habe ich fast zehn Jahre meines Lebens, neben anderem, auch viel solchen Kram gehört. Natürlich nur den Guten. Logisch. Angefangen von Joy Divison oder The Cure, über die Legendary Pink Dots, Coil, Dead Can Dance bis hin zu Contrastate, Merzbow oder Whitehouse. Klar, Gruftie-Schlager wären mir natürlich nie auf den Plattenteller gekommen. Versteht sich von selbst. Ähh, na gut, die ein oder andere Geschmacksverirrung war vielleicht kurzfristig dabei, aber ich war jung und brauchte die Musik. Sigur Rós jedenfalls fand ich vom ersten Augenblick an phänomenal und hatte zufällig anno 2000 die Gelegenheit, sie live bei einem damals noch sehr intimen Konzert mit Kerzenlicht und Räucherstäbchen im Puff-Ambiente in der Münchner Bongo Bar zu sehen. Diese Erfahrung trieb mich dann willenlos in die Fänge anderer isländischer Bands wie z.B. múm oder in die von Labels wie Kranky oder Constellation und damit Bands wie Labradford, Godspeed You Black Emperor! oder A Silver Mount Zion. Aber ich beginne zu faseln…
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Silvio Rodríguez: Qién Fuera
Abschied in und von Mexiko. Einer der traurigsten und tränenreichsten Abschiede, an die ich mich erinnern kann. »Corazón, corazón obscuro«. Im Anschluss dann eine 24stündige Busfahrt von Tuxtla Gutiérrez zurück zum Flughafen. Über 1000 Kilometer entlang einer Route, für die ich hin, mit vielen Schlenkern und Abstechern, mehr als drei Wochen gebraucht hatte. Zurück durch das Hochland von Chiapas, durch das schöne San Cristóbal de las Casas, durch den stickigen südmexikanischen Regenwald, durch Palenque, und die Bundesstaaten Quintana Roo und Yucatán. 24 Stunden Zeit, einen Monat Mexiko und damit zahllose Eindrücke und Begegnungen zu verarbeiten und den Blick auf die Zukunft zu richten. Eine in jeder Hinsicht beeindruckende Reise.
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Kaji Meiko (梶芽衣子): 修羅の花 (Shura No Hana, The Flower Of Carnage)
Der Titelsong des großartigen japanischen Films Lady Snowblood aus dem Jahre 1973, gesungen von Lady Snowblood herself, Meiko Kaji. Toller Film, wunderschönes Lied. Und es beinhaltet so ziemlich alles, was ich an japanischer Enka-Musik schätze: Drama, große Gefühle, einen Schuss Extravaganz und gnadenlose Melancholie. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt ist dieser Song spätestens seit dem Quasi-Remake von Lady Snowblood in Form von Quentin Tarantinos Kill Bill, in dem er nicht nur Teile der Geschichte, sondern auch dieses Lied verwendete. Und ja, mir gefällt es wirklich. Aber ich schaue mir schließlich auch Bollywood-Filme an.
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Nouvelle Vague: In A Manner Of Speaking
Eine Bossanova-Coverversion des alten Tuxedomoon-Klassikers und eins meiner momentanen Lieblingslieder. Außerdem in meinen Augen ein Beispiel für eine originelle und gelungene Coverversion, was in Zeiten, in denen lauwarme Coveraufgüsse bereits länger Konjunktur haben, wohl leider extra betont werden muss.
Tja, zehn Songs sind eigentlich zu wenig… Aber es hat mir Spaß gemacht, mich zu erinnern. Herausgekommen ist nicht gerade die Top-10 meiner Lieblingssongs aller Zeiten, aber immerhin ein persönlicher Überblick diverser musikalischer Meilensteine meines Lebens.
Wie gesagt, schon etwas älter…»
| Beitrag verfasst: | am 30. Januar 2006 um 22:24 Uhr von Patrick |
| Kategorie(n): | Hören, Lesen, Recycling |
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Ach. Hach.
Ein paar der Sachen da, die könnte ich unterschreiben (andere kenne ich nichtmals vom Namen).
Aber meine erste selbstgekaufte Platte, die war und ist mir nur minderpeinlich: Major Tom. Über die wirklichen Peinlichkeiten hülle ich den Mantel des Schweigens.
Die wirklichen Peinlichkeiten werden wir dann irgendwann noch mal in Ruhe erörtern, würde ich vorschlagen…
Bei einer leckeren Suppe zum Beispiel… :)
Die gebe ich nur nach reichlich Rotwein zu. Aber das sollte kein Problem sein ;)
Das denke ich auch. Daran soll’s nicht scheitern… ;)